Am 7. und 8. April fanden in Berlin das Eröffnungskonzert im Glashof Jüdisches Museum und die offizielle Eröffnungsfeier in der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften statt.
Am Anfang der Eröffnungsfeierlichkeiten zum Deutsch-Israelischen Jahr der Wissenschaft und Technologie stand am Abend des 7. April das Konzert der israelischen Pianistin Yael Kareth, begleitet von Cello, Violine und Sopran, im Glashof des Jüdischen Museums Berlin. Das Ensemble spielte Musikstücke jüngerer und älterer deutscher und israelischer Komponisten wie Robert Schumann, Hugo Wolf, Felix Mendelssohn-Bartholdy, Sasha Argov, Yoni Rechter und Yehezkel Braun.
Nach dem Lied "Widmung" von Robert Schumann richtete Frau Ministerin Dr. Annette Schavan das Grußwort an die zahlreich erschienenen Gäste aus Wissenschaft, Politik und Kultur. In ihrer kurzen Ansprache warf sie einen Blick auf die gerade zurückliegenden ersten Deutsch-Israelischen Regierungskonsultationen. Sie betonte aber auch die große Bedeutung der Musik als gemeinsame Sprache der Menschheit, die ebenso wie die Wissenschaft geeignet und berufen sei, Brücken zwischen den Völkern zu bauen.
Der israelische Minister für Wissenschaft, Kultur und Sport Galeb Majadle hob in seinem Grußwort das herzliche und freundschaftliche Verhältnis zwischen ihm und Frau Ministerin Schavan hervor und lobte die Rolle von Wissenschaft, Kunst und Kultur als Brücke zwischen dem deutschen und dem jüdischen Volk nach der Shoah. Er fühle sich geehrt, dass er an diesem Abend in Berlin so zahlreiche jüdische, arabische und deutsche Nachwuchswissenschaftler kennenlernen konnte.
Im Anschluss an das Konzert trafen sich die beiden Minister u.a. mit der Staatsministerin im Bundeskanzleramt Hildegard Müller, dem Gesandten der Israelischen Botschaft Ilan Mor und dem Parlamentarischen Staatssekretär im BMBF Thomas Rachel sowie Vertretern aus Wissenschaft und Forschung und wichtigen Repräsentanten beider Ministerien zu einem gemeinsamen Abendessen.
Die Eröffnungsfeierlichkeiten fanden am darauffolgenden Tag ihre Fortsetzung mit dem Festakt im Leibniz-Saal der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften. Die Moderation der Veranstaltung lag bei Conny Czymoch, für die musikalische Untermalung sorgte die israelisch-deutsche Jazzband "Ofrin".
Nach den Ansprachen der beiden Minister berichteten Prof. Dr. Israel Pecht und Prof. Dr. Wolfgang Frühwald von ihren persönlichen Erfahrungen in der deutsch-israelischen Wissenschaftskooperation,.
Professor Pecht, Professor für Physikalische Chemie am Weizmann-Institut und u.a. Mitglied des Fellowship Commitees von Minerva, gab einen kurzen Überblick über die Geschichte des Weizmann-Institutes, das in den 50er Jahren gemeinsam mit der Max-Planck-Gesellschaft (MPG) den Weg für die deutsch-israelischen Wissenschaftskooperation bereitet hatte, einen Weg, der angesichts der Vergangenheit nicht einfach zu beschreiten und auf israelischer Seite nur gegen große Widerstände möglich gewesen war. Eine Erfahrung, die Pecht, der 1937 in Österreich geboren und in Israel aufgewachsen ist, auch in seinem persönlichen Umfeld machte, als er Ende der 60er Jahre als Gastwissenschaftler nach Göttingen ging. Auch er selbst habe sich immer wieder gefragt, ob er wirklich am richtigen Ort sei. Heute weiß er, "es war wichtig und richtig; die Vergangenheit ist in uns, aber wir müssen nach vorne schauen."
Der Literaturwissenschaftler Professor Frühwald, langjähriger Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), arbeitete viele Jahre im GIF-Direktorium und ist heute Ehrenpräsident der Alexander von Humboldt-Stiftung (AvH). In seiner Rede ging er darauf ein, dass die Kooperation mit Israel in den Geistes- und Sozialwissenschaften erst rund zehn Jahre später als in den Naturwissenschaften begonnen habe und im Unterschied "zur stürmischen Entwicklung" dieser Kooperationen relativ langsam vorangeschritten sei. Mögliche Ursachen sieht Frühwald neben den unterschiedlichen Schultraditionen in Deutschland und Israel in der Last der Erinnerung, der Anfälligkeit der Geisteswissenschaften für Moden und Ideologien sowie das schwindende Interesse der jüngeren israelischen Generation an Deutschland. Das deutsch-israelische Wissenschaftsjahr, so Frühwald, könne hier neue Impulse geben. Einen besonderen Ansatzpunkt sieht er in der großen Bedeutung der Erinnerungskultur sowohl für das Judentum als auch für die Geisteswissenschaften. An Israel bewundere er die "selbstverständliche Intellektualität" und die "Begeisterung für die Wissenschaft als Schlüssel für Entwicklung und Wohlstand". Frühwald appellierte an die Verantwortlichen aus Politik und Gesellschaft, das kreative Potential von Kunst und Geisteswissenschaften zu erkennen. Abschließend betonte Frühwald die brückenbauende Funktion der Wissenschaft auch in der Gegenwart - bestes Beispiel sei die Einbeziehung palästinensischer Forscher in zahlreiche Kooperationsprojekte.
Im anschließenden Symposium, moderiert von Prof. Pecht und dem Chemiker und AvH-Präsidenten sowie ehemaligen Vizepräsidenten der DFG, Professor Dr. Helmut Schwarz, stellten junge Nachwuchswissenschaftler aus beiden Ländern ihre in bilateralen Forschungsprojekten gewonnenen Forschungsergebnisse vor. Ihre Themen umfassten unterschiedlichste wissenschaftliche Bereiche wie Spieltheorie, Ordnung und Unordnung im Theater und zusammenwirkende Effekte in biologischen Systemen.
Im Anschluss an das Symposium bestand die Gelegenheit, Vertretern der Förderorganisationen und an der Kooperation beteiligten Einrichtungen Fragen zu stellen.